Mein Falknertag bei der Erlebnisfalknerei

Ein toller Bericht von einer Workshopteilnehmerin!

Die Steffi beschreibt darin die Erlebnisse ihres Falknertages bei der Erlebnisfalknerei!

 

Hallo, ich heiße Steffi und möchte euch gerne von meinem Schnupperfalknertag bei Gina und Achim erzählen:

Ich war schon immer ein „Naturmädel“ mit großer Liebe zur heimischen Tier- und Pflanzenwelt. Bei den Tieren haben es mir unter Anderem Vögel besonders angetan – da reicht mein Interesse vom quirligen Singvögelchen bis hin zu den majestätischen Raub- und Greifvögeln – und hier gilt meine Liebe insbesondere Eulen und Käuzen. Viel zu lange habe ich diese Leidenschaft lediglich „passiv“ (d.h. beobachtend an Bildschirmen ausgelebt, doch in diesem Jahr sollte damit endlich Schluss sein:

Nachdem mein Partner und ich uns im Vorjahr diverse Wild- und Vogelparks angesehen hatten, besuchten wir auch Gina und Achim und ihre Vögel im Wildpark Tambach. Wir waren sehr beeindruckt: Von der Flugvorführung, von Achims informativer und zugleich unterhaltender Moderation und vom Umgang der beiden mit ihren Tieren…

Nachdem wir dann ein paar Worte mit den beiden wechseln konnten, stand für mich fest: Diese Menschen und ihre Vögel möchte ich näher kennen lernen! Am 23.5. war es dann soweit: Um 10 Uhr traf ich Gina im Wildpark Tambach, die mich freundlich in Empfang nahm und mit ihrer offenen Art sofort jegliches Eis brach. Zunächst stand ein Rundgang über das Gelände mit namentlicher Vorstellung aller geflügelten Bewohner auf dem Plan. Da war z.B. „Schmutzi“, der Schmutzgeier, „Schneewittchen“, eine Diva unter den Greifen, zahlreiche andere tolle Vögel und mein persönlicher Liebling: Theo, die Uhu-Dame, die Gina auch erfreut mit „hu, hu!“ begrüßte. Es war für mich sehr faszinierend zu beobachten, wie eng und persönlich die Bande zwischen Vogel und Mensch sein kann… Dennoch sollte man natürlich nicht den Fehler machen und Greifvögel oder Eulen mit „gewöhnlichen“ Haustieren in eine Schubblade stecken: Greifis, so Gina, „sind nicht „nett“ untereinander – d.h. wenn es Beute gibt, dann gilt für einen Geier: Erst komm ich, dass das mal klar ist! Dann kommt lange nix und dann erstmal… Ich! Dann komm nochmal ich und dann irgendwann vielleicht auch mal du.“ Derartiges erfuhr ich z.B. auf meine Frage, wo denn der Unterschied im Verhalten der Tiere gegenüber dem Menschen zwischen Handaufzuchten und unter Artgenossen aufgezogenen Exemplaren liegt. Gina kann sehr anschaulich und interessant erzählen – es macht Freude von ihr zu lernen und sie verpackt den Bildungsauftrag, der ihr sehr am Herzen liegt, stets in unterhaltsame und lehrreiche Anekdoten.

Ich erfuhr den Tag über viel über die einzelnen Vogelarten, die Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Jagdfalkenhof, die Arbeit eines Falkners allgemein und konnte dabei all meine Fragen los werden: Welche Voraussetzungen braucht es, um selbst Greifvögel in Deutschland halten zu dürfen? Wo werden Lehrgänge angeboten, wie sehen die Prüfungen aus, welche rechtlichen Voraussetzungen sind erfüllen? … usw.

Doch weiter im Text: Nach dem Rundgang wurde ich den falknerischen Kollegen vorgestellt und durfte tatsächlich bis in die „heiligen Hallen“ (in diesem Fall eher ein putziges Holzhüttchen 😉 ) mitkommen: Ich bekam so hautnah alles mit, von den Absprachen unter den Kollegen und ihrem Austausch bezüglich Tagesplanung, also richtige „Insider-Infos“, sah alles Handwerkszeug, das ein Falkner so braucht und nutzt und fühlte mich absolut wohl und angekommen. Bei den beiden Flugshows des Tages durfte ich in Pole-Position sitzen, wo ich den besten Blick auf die Vögel und die Falkner hatte. So war es mir möglich, ein paar richtig tolle Schnappschüsse mit meiner Kamera zu schießen. Gina saß direkt neben mir und erklärte mir weiterhin alles, was so hinter den Kulissen abläuft und beachtet werden muss, denn was so „easy“ und entspannt bei den erfahrenen Falknern aussieht, ist echt wachsame Arbeit und lang erlerntes Handwerkszeug. Innerlich scharrte ich dabei schon mit den Hufen, denn ich wollte endlich eins der „Vögelchen“ ganz nah bei mir haben…

Dann war es so weit: Nachdem Achim und Gina Flugvorführung und das tägliche Training mit ein paar ausgesuchten Tieren abgeschlossen hatten, sollte ich aktiv werden! Ich wurde als zunächst noch „federlos“ in die korrekte Aufnahme des Vogels auf den Handschuh eingewiesen, stellte mich dazu dicht neben Gina und vollzog ihre Bewegungen nach. Glücklicherweise hatten die beiden natürlich einen schon erfahrenen und sehr „coolen“ Falken als Trainingsvogel gewählt, denn „einfach hinstellen und Hand ausstrecken“ is‘ nich‘, auch wenn es so aussieht… Da gibt es zahlreiche Dinge zu beachten und sich bewusst zu machen: Von wo kommt der Wind, also hat mein Vogel überhaupt die Chance, bei mir anzulanden, oder kann er das gar nicht schaffen? Wie sieht’s im Flugraum aus? Gibt es evtl. Beutetiere oder Feinde, die mein Tier ablenken oder ängstigen könnten? Die Hand immer schön ruhig nach oben halten, als ob man ein volles Glas Wasser trüge und dabei nicht (!) verkrampfen und weiter atmen (leichter gesagt als getan!). Wann muss die Hand eher zum Körper hin gewendet werden, wann öffne ich meine Position? Was mache ich, wenn mein Vogel „abspringt“? usw usf…

Es machte unglaublich Freude und ich hätte das „Vögelchen“ am Liebsten „tot“geknuddelt: Es machte alles bereitwillig mit, obwohl ich ihm ja absolut fremd war. Ich glaube, vielen Menschen ist gar nicht bewusst, was dies für ein Vertrauen des Tieres in seinen Falkner bedeutet und auch, was für ein Geschenk: Denn ob nun kleiner Falke oder großer Adler – es sind alles nun einmal Raubtiere, die sich durchaus gegen den fremden Teilnehmer wehren könnten… Dies wird einem sehr bewusst, wenn man das Tier so nah auf seiner Faust anlanden lässt oder vor dem Oberkörper trägt. Das so genannte Abtragen stellte dann auch die zweit Praxislektion dar: Wir (bzw. ich!) trugen einen Vogel auf den Wegen des Parks nach dem Training in sein Schlafhaus zurück. Puh, was habe ich innerlich gezittert… Denn der kleine Schelm guckte interessiert nach links und rechts, schien direkt kleine Streiche zu planen, verfolgte interessiert mit seinen Augen Parkbesucher, die Singvögel im Gebüsch und ich hatte alle Faust voll zu tun, um richtig zu reagieren, wenn er seine Flügel spreizte und Anstalten machte, aufzufliegen. Dabei bemühte sich Gina nach Kräften, mir meine Nervosität zu nehmen, indem sie mich ablenkte, zum Erzählen aufforderte und sich auch einfach einmal mit mir auf eine Bank setzte, um mich an das Gefühl zu gewöhnen… Natürlich ist alles gut gegangen und wir konnten den braven Kerl wohl behalten in sein Schlafhaus setzen, wo auch einige andere gefiederte Freunde saßen.
Nachmittags stand dann noch eine Einführung in die falknerischen Gerätschaften an: Gina zeigte mir ihren „Schatzkoffer“, der vom Sender, den man seinem Vogel an Geschüh oder in eine Schwanzfeder klipsen kann, um ein entflogenes Tier orten zu können, und Empfänger, über das Federspiel, bis hin zu diversen Handschuhen zum Abtragen unterschiedlicher Arten reichte. Am Ende meines Schnupperfalknertages schließlich stand dann noch ein Fotoshooting mit zwei wunderbaren Vogelmodellen auf dem Plan und ich bin Gina sehr dankbar dafür, dass sie mir ihre „Herzensvogeldame“ anvertraut hat – eines Tages, so hoffe ich, werde auch ich meinen „Herzensvogel“ entdecken…

Ja, ich muss sagen, mir wurde im Laufe des Tages immer mehr bewusst: Falknerei ist eine Kunst, die man lernen muss, aber auch lernen kann – und am Ende des Tages stand für mich fest: Das möchte ich auch lernen! Es ist ein großartiges Gefühl, mit derartig anmutigen Tieren, wild und gezähmt zugleich, arbeiten zu dürfen – es erdet, schult die Konzentration und innere Sammlung, fördert die Verbindung mit der Natur und sich sebst und: Die Falkner leisten mit ihren Nachzuchten sowie ihren Informationsveranstaltungen einen für mich unvergleichlich wichtigen Beitrag zum Erhalt großartiger Tiere.

Nun bleibt mir nur noch zu sagen: DANKE Gina, danke ACHIM für ein unvergessliches Erlebnis mit euch und euren Vögeln. Zudem erneuere ich auf diesem Wege meine „Drohung“: I’ll be back…


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